Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich (Mt 16,23)

Es ist Jesus, der diese ziemlich harten Worte zu Petrus spricht, der wiederum gerade wenige Verse vorher die Offenbarung ausgesprochen hatte, dass Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus hatte ihm gerade bescheinigt, dass er eine Offenbarung von Gott selbst empfangen hatte, und nun staucht er ihn zusammen.

Der Grund war, dass Petrus Jesus vor dem Schicksal bewahren wollte, zu leiden und zu sterben. Menschlich total verständlich! Jesus war sein Freund, jemand, mit dem Petrus seit drei Jahren Tag und Nacht unterwegs war und viel erlebt hatte. Und nun kündigte Jesus seinen Tod an, und Petrus rät ihm, sich zu schonen.

Wenn wir den Ausdruck Jesu Du bist mir ein Ärgernis lesen, klingt es in unseren Ohren heute nach Geh mir nicht auf die Nerven. Doch das Wort Ärgernis heißt auf griechisch skandalon. Uns heute als Skandal bekannt. Ein skandalon ist jedoch der Auslösemechanismus einer Falle! Du kannst dir eine gespannte Mausefalle vorstellen. Ohne diesen Auslöser, den skandalon, ist die Falle ungefährlich. Doch wenn dieser gespannt ist, sieht die Sache anders aus.

Jesus sagt Petrus hier also nicht Nerv mich nicht, sondern er sagt vielmehr: Sei du nicht das Werkzeug, um mich in eine Falle zu bringen! Jesus kannte den Weg, den Gott für ihn vorgezeichnet hatte, sehr genau. Er wusste, dass ihn unvorstellbare Schmerzen, Spott und Leid erwarteten. Doch er wusste, dass das der einzige Weg zur Rettung abertausender Menschen sein würde. Hatte er einen Kampf? Oh ja! Jesus selbst bat den Vater im Garten Gethsemane, daß dieser Kelch an ihm vorbeigehen möge, wenn es möglich wäre. Er schwitzte Blut dabei! Er wusste, was vor ihm lag, und auch wenn er der menschgewordene Sohn Gottes war, war er doch gleichzeitig Mensch mit Empfindungen und Gefühlen.  Und mitten hinein in diese Vorbereitung auf seinen Tod spricht einer seiner engsten Vertrauten: Jesus, lass das mal. Tu das nicht.

Wenn du aus Gott geboren und mit dem Heiligen Geist erfüllt bist und fest entschlossen, den Willen Gottes zu tun, dann kann das für die Menschen um dich herum schon mal irre aussehen. Wir haben uns in dem gestrigen Artikel mit den Helden Davids befasst. Was macht einen Held aus? Ein Held tut Dinge, die kaum ein anderer tut, die sein Leben in Gefahr bringen und ein hohes Risiko für ein Scheitern bergen. Ein Held ist jemand, der alles auf eine Karte setzt, die Wahrscheinlichkeitsrechnung ausblendet, sein Ziel anvisiert und gewinnt. Wenn dein Leben vollkommen Gott gehört, wirst du reichlich Gelegenheit für solche Helden-Erfahrungen haben. Jesus sagt in Johannes 3,8: Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. Ein Mensch, der so lebt, ist nicht greifbar und verstehbar. Die Menschen um dich herum werden dich beobachten und sich leise (oder auch laut) fragen: Ist der noch ganz normal? Was soll das denn jetzt??? Du wirst an Punkte kommen, wo du im Glauben alles auf eine Karte setzt, weil der Heilige Geist es dir gezeigt hat.

Doch in solchen Momenten können dir Fallen gestellt werden, die aus der Chance für den größten Sieg die Chance für eine gewaltige Niederlage machen. Genau das ist Jesus hier passiert. Ein enger Freund wird gebraucht, um eine Falle vor ihm aufzubauen und ihn von dem Weg abzuhalten, den Gott für ihn vorgesehen hatte. Doch Jesus erkennt diese Falle! Und er wendet sich ab. Wenn du weißt, dass Gott zu dir gesprochen hat, musst du mit Fallen rechnen, denn Satan will deinen Sieg verhindern. Jesus konnte in diesem Moment sehr genau unterscheiden, aus welcher Quelle die Worte von Petrus kamen. Innerhalb weniger Verse attestiert er ihm einmal die Offenbarung durch Gott und das andere Mal, dass es Satan war, der durch ihn sprach. Beachte allerdings, dass Jesus den Petrus weder aus der Mannschaft geworfen noch anderweitig sanktioniert hat! Er ordnete einfach nur die Worte von Petrus ein und wies sie zurück! Und auch du wirst Menschen um dich herum haben, die dich aus den besten Motiven von dem Weg abhalten wollen, den Gott dir gezeigt hat. Für dich ist es von größter Wichtigkeit, die Geister zu unterscheiden, die hier mit dir sprechen! Doch halte es wie Jesus: Unterscheide die Botschaft, doch töte nicht den Botschafter. Geh deinen Weg, doch erlaube nicht jeder Stimme, zu dir zu sprechen.

Bist du jemand, in dessen Umfeld gerade jemand dabei ist, einen gewagten Schritt zu gehen? Dann entspann dich. Bete für diese Person, dass der Heilige Geist sie minutiös und milimetergenau führen kann, doch sei vorsichtig, wenn du das bewerten möchtest, was sie vorhaben. Es besteht die Gefahr, dass du aus den besten Motiven einen Skandal verursachst und jemanden davon abhältst, den Weg zu gehen, den Gott für diese Person vorgesehen hat.

Ein Wort zum Schluss:

Bei diesem Thema gibt es feine Abstufungen! Wir leben in einer Zeit, wo viel Verwirrung herrscht und Menschen die verschiedensten Dinge tun, von denen sie glauben, dass der Heilige Geist sie ihnen gezeigt hat. Wenn du jemand bist, der dabei ist, einen gewagten Weg einzuschlagen: Bitte sei demütig und prüfe sorgfältig vor Gott, ob er selbst nicht gerade durch Menschen um dich herum zu dir redet, um dich vor einem Fehler zu bewahren. Manchmal versteifen wir uns so sehr darauf, dass Gott zu uns geredet hat, dass wir keine anderen Stimmen zulassen. Je gewagter dein Schritt ist, desto sorgfältiger solltest du ihn prüfen (ich spreche aus einiger Erfahrung…). Und bitte verdresche nicht den Menschen, der da zu dir kommt! Glaube ihm, dass er es aus Liebe zu dir tut.

Wenn du jemanden in deinem Umfeld hast, der dabei ist, gewagte Schritte zu gehen: Bitte gebrauche Weisheit, ob und wie du mit dieser Person sprichst. Bitte prüfe sorgfältig, was deine Motivation ist, wenn du sie vor ihrem Vorhaben warnen willst. Ist es deine eigene Angst vor möglichen Konsequenzen? Kannst du es dir einfach nicht vorstellen, wie das funktionieren soll? Oder ist es der Heilige Geist, der dich gebrauchen will, um zu ihnen zu sprechen und sie zum Nachdenken zu bewegen? Doch wenn du mit diesem Menschen sprichst, tue es in Demut. Respektiere es, wenn er sich gegen deinen Rat entscheidet.

Ganz egal, zu welcher dieser beiden Kategorien du gerade gehörst: Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus (Phil 4,6-7).


Photo (C) Angelika Wecker