Eines erbitte ich von dem Herrn, nach diesem will ich trachten: daß ich bleiben darf im Haus des Herrn mein ganzes Leben lang, um die Lieblichkeit des Herrn zu schauen und [ihn] zu suchen in seinem Tempel. (Ps 27,4)

David war ein Mann nach Gottes Herzen. Er durchlebte vermutlich alle Höhen und Tiefen, die man – auch als Christ – erleben kann. Doch in all dem war Davids Herz stets nur auf Gott ausgerichtet. Er kannte seinen Gott. Und in diesem Vers drückt David aus, was ihm am wichtigsten war, was sozusagen seinen Lebenstraum beschrieb: Gott, ich will mein Leben lang in deiner Gegenwart sein!

Was ist der Traum deines Lebens? Und ich erwarte jetzt gar keine hochgeistliche Antwort von dir, sondern eine ehrliche. Und das gute ist: du musst mir ja nicht einmal antworten! Aber hast du für dich eine Antwort auf diese Frage? Wenn niemand da ist, der darüber urteilt, ob dein Traum eine totale Spinnerei ist, jemals Realität werden kann, vollkommen an der Wirklichkeit vorbeigeht oder ähnliches – wenn du einmal sämtliche Filter ausschaltest, die deinen Traum für gut oder schlecht befinden: Wovon träumst du ganz tief in deinem Herzen?

Wir werden in unserer aufgeklärten, rationalen und vernünftigen westlichen Gesellschaft darauf gedrillt, uns anzupassen, mit dem Strom zu schwimmen und unser Leben darauf auszurichten, unsere „Schäfchen ins Trockene“ zu bringen. Als ich noch in der Grundschule war, schrieb mir meine beste Freundin einen Vers ins Poesiealbum, der mich noch heute zum Nachdenken bringt: Blüh wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein. Und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.  Mit anderen Worten: sei unauffällig um jeden Preis!

Hast du dir schon mal Gedanken über Davids Traum gemacht? Er war eigentlich eine glatte Unverschämtheit. David war König und nicht der Priester, der im Tempel diente. Das Gesetz schrieb genau vor, wer sich wann auf welche Weise und zu welchem Zweck dem Allerheiligsten nähern durfte. Waschungen, Opfer, Räucherwerk usw. gehörte dazu, wenn man mit Gott in Beziehung treten wollte, um Sühnung von Sünden oder Segnungen zu erwirken. Und David? Er will einfach nur die Lieblichkeit Gottes betrachten (die außer ihm wahrscheinlich niemand seiner Zeit kannte!) und den Herrn suchen. All das war eigentlich gar nicht Davids Aufgabe und entsprach nicht den Regeln. Doch das kümmerte David herzlich wenig.

Im Umgang mit unseren Träumen gibt es zwei Hürden, die wir nehmen müssen. Die erste Hürde besteht darin herauszufinden, aus welcher Quelle dieser Traum stammt. Das, was die meisten Christen daran hindert, ihrem Traum nachzugehen ist die Frage, auf die erstaunlicherweise die wenigsten von ihnen je eine Antwort finden: Woher soll ich wissen, dass das Gottes Wille ist? Die Frage ist wichtig, und die Antwort darauf scheint das Lebensproblem von vielen zu sein. Doch kannst du Gott einfach glauben, dass er groß genug ist, dich vor Fehlern zu bewahren? So viele bleiben auf ihrem Stuhl kleben aus Angst, einen Fehler zu machen. Doch Gott würde sie mit Freuden lenken, Türen öffnen, andere schließen, Informationen und Menschen schicken, die ganz praktisch Rat geben könnten, wie Dinge funktionieren und wie nicht – würden sie nur einfach mal losgehen! Wenn wir in allem was wir tun, in der Gemeinschaft und im Hören auf Gott bleiben, kann er das scheinbar Unmögliche mit Leichtigkeit möglich machen. Und Gott kann die Wünsche deines Herzens in der Gemeinschaft mit ihm formen und prägen! Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt (Ps 37,4). Die vertraute Gemeinschaft mit Gott kann dazu führen, dass seine Träume zu deinen Träumen werden. Und dann kann Gott durch dich das in die Welt bringen, was ihm auf dem Herzen brennt. Und du wirst den gleichen brennenden Traum haben, denn er ist in der Gemeinschaft mit Gott entstanden. Und plötzlich hast du einen Partner an deiner Seite, der Himmel und Erde für dich in Bewegung setzen kann und wird.

Die zweite Hürde ist unser Wille. Solange wir uns nicht in Bewegung setzen, wird unser Traum immer nur ein Traum bleiben. Bequemlichkeit ist die größte Falle, in die wir uns selbst begeben können. Wenn uns die bevorstehenden Veränderungen, die vielen offenen Fragen und die Wahrscheinlichkeitsrechnung abhalten, werden wir nie erleben, wie Gott Menschen und Gegelegenheiten vorbeischickt, Fragen beantwortet und die Wahrscheinlichkeit aushebelt. Doch ohne Schritt 1 werden Schritt 2-134 niemals stattfinden. Schau dir an, was David macht: er erbittet und trachtet. Trachten ist Wille in Aktion. David sagt zu Gott: Bitte zeige mir deine Lieblichkeit. Bitte begegne mir von Angesicht zu Angesicht. Bitte lass mich dich sehen. Und dann bringt er sich selbst in Position, damit Gott diese Bitte überhaupt erfüllen kann. Er geht in den Tempel, er studiert die Schriften, er preist Gott.

Gott hat dich angelegt, wie du bist. Dein Geschlecht, deine Wesenzüge, deine Fähigkeiten, dein Geschmack. Glaube doch Gott einfach, dass deine Sehnsucht nach bestimmten Dingen ebenfalls von ihm bereits vor deiner Geburt angelegt wurde. Glaube doch, dass auch Gott Träume für diese Welt hat, die nur durch dich und mich in Existenz kommen können. Wenn wir in einer Herzensbeziehung mit Gott leben, bin ich davon überzeugt, dass unsere Sehnsüchte direkt aus seinem Herzen stammen. Doch ob diese Träume nur Schäume bleiben, liegt zu einem großen Anteil an uns. Doch ich möchte dich an diesem Wochenende ermutigen: Erforsche deinen eigenen Traum, bringe ihn vor Gott, lass dir seine Sicht zeigen und gehe den ersten Schritt. Er kann der Beginn für etwas Gewaltiges sein.