Wie ein Adler seine Nestbrut aufscheucht, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt (5 Mose 32,11)

Seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Gedanke: Es ist die Zeit für eine geistliche Gebietserweiterung. Es scheint ein Thema zu sein, dass momentan mehrere Menschen beschäftigt, denn ausgerechnet heute morgen bekam ich ein Email genau zu diesem Thema. Gehen wir also einfach mal davon aus, dass der Herr uns was sagen will. Ich weiß nicht, wo du stehst. Ich weiß nicht, ob du in der Gemeinde mitdienst, dich in Geistesgaben gebrauchen lässt oder sogar selbst ein Diener Gottes bist und im Vollzeitdienst stehst. Jeder von uns hat eine geistliche Berufung. Das heißt nicht, dass jeder irgendwo eine Leiterfunktion in einer Gemeinde haben oder im Vollzeitdienst stehen muss. Es heißt ganz einfach, dass der Heilige Geist jeden im Bereich von Geistesgaben gebrauchen will (1 Kor 12,11).

Vielleicht kennst du die Gaben schon ganz gut, in denen der Heilige Geist dich häufiger gebraucht. Das kann das Wort der Erkenntnis sein, die Heilungsgabe, prophetisches Reden – was auch immer. Und wenn du dich schon länger in diesen Bereichen bewegst, dann will ich dir heute morgen sagen: Auch in diesen Gaben gibt es eine Dimension, die wir noch nicht ausgelotet haben. Jetzt ist die Zeit für eine neue Dimension.

Hesekiel beschreibt in Kapitel 47, wie er immer tiefer in den Strom geführt wurde, der aus dem Tempel Gottes kam. Der Strom ergießt sich in die Ebene, und bei Hesekiel ist ein Mann, der immer wieder 1 000 Ellen abmißt und Hesekiel weiter führt. Erst reicht ihm das Wasser bis an die Knöchel, dann an die Knie und am Ende muss Hesekiel schwimmen. Warum das Wasser fern vom Ursprungsort immer tiefer wird, statt immer flacher, ist eine Frage für sich. Doch Hesekiel konnte nicht abschätzen, wie tief das Wasser sein würde. Er ging einfach und bemerkte es. Und mit jeder neuen Dimension der Tiefe musste Hesekiel seine Bewegungsweise anpassen. Durch knöcheltiefes Wasser bewegt man sich anders als durch hüfthohes.

Beachte, dass Hesekiel tiefer geführt wurde. Ein anderer maß die Strecke ab und führte ihn tiefer. Hat derjenige jemals gesagt: Ok, jetzt bewegen wir uns prarallel zum Strom immer am Ufer entlang – denn es wird so tief, dass du ganz nass wirst. Und ob du schwimmen kannst, weiß ich auch nicht… Nein, Hesekiel sollte die Tiefe erleben. Er sollte nass werden. Er sollte schwimmen müssen. Das gleiche gilt für uns. Es gibt dort, wo der Herr dich gebraucht, Dimensionen, die du noch nicht erlebt hast. Doch in diese Dimensionen gelangen wir nur, wenn wir das unbekannte Terrain nicht fürchten.

In unserem Vers aus 5 Mose 32 spricht Mose über den Herrn und beschreibt ihn als einen Adler, der seine Nestbrut aufscheucht. Adlerküken müssen manchmal zu ihrem Glück gezwungen werden. Wenn die Zeit reif ist, schubst der Adler seine Jungen aus dem Nest. Weil das Nest ziemlich hoch liegt, müssen sie fliegen. Und sie können fliegen, weil ihr Körper sich schon so weit entwickelt hat. Doch würden sie nicht aus dem Nest geschubst werden, würden sie das nie entdecken. Sie würden bis ans Ende der Nahrungskette auf ihrem breiten Adlerpopo im Nest hocken und sich füttern lassen.

Bei den ersten Flugversuchen bleibt der ausgewachsene Adler ganz nah. Wenn die Jungen die Kräfte verlassen, bewegt sich der Adler unter das Junge und trägt es auf seinen eigenen Flügel zurück zum Nest. Doch je mehr die jungen Adler trainieren und ihre Flugfähigkeit entdecken und ausbauen, desto seltener kommt das vor.

Genau so will Gott auch mit uns umgehen können. Er will uns in geistliche Dimensionen führen, in die wir bisher noch nicht gelangt sind – vielleicht, weil wir die Dimension noch nicht kannten, oder weil wir bisher zurückgeschreckt sind, wenn das Wasser tiefer wurde. Wie geht das praktisch? Vertraue auf die Führung, die du in diesen Situationen erlebst. Folge den Impulsen, auch oder gerade dann, wenn sie dich auf unsicheres und unbekanntes Gebiet führen. Betrachte es als einen kleinen Nestschubser, und erwarte, dass der Heilige Geist dich jederzeit sozusagen auffängt.

Ich kenne die Gaben, in denen Gott mich gebraucht, ganz gut. Doch auch für mich gibt es Dimensionen, von denen ich keine Ahnung habe. Neulich habe ich in einem bestimmten Bereich genau das erlebt, wovon ich heute schreibe. Ich folgte Impulsen, und plötzlich ging es immer weiter und immer tiefer. Ich fühlte mich ein wenig, als würde ich neben mir stehen und mir selbst dabei zusehen, wie ich Dinge sagte und tat, die ich noch nie zuvor getan hatte. Mittendrin bewegte ich mich plötzlich in eine Richtung, und sofort sagte der Heilige Geist: Da nicht weiter! Gut, dann eben eine winzige Kurskorrektur, und weiter geht’s! Erwarte, dass der Heilige Geist dich tiefer führt, aber auch, dass Er dich punktgenau navigiert. Er wird das tun. Und du wirst in der Lage sein, dich in dieser Dimension zu bewegen und leiten zu lassen. Denn wie der Adler seine Jungen erst dann aus dem Nest schubst, wenn sie reif dafür sind, führt der Heilige Geist dich erst dann in eine tiefere Dimension, wenn du in der Lage bist, dich mit Ihm in dieser Dimension bewegen zu können.

Zeit für eine Flugstunde! Viel Spaß.