Ich will dich von Herzen lieben, o Herr, meine Stärke! (Ps 18,2)

Seit Tagen beschäftigen mich mehrere Themen gleichzeitig, und ständig lande ich wieder hier: In Psalm 18. Und ich bin König David extrem dankbar dafür, dass er in seinen Psalmen seine diversen persönlichen Entwicklungsprozesse festgehalten hat.

Ein Wort am Rande an die Leiter unter uns: Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen nicht nur lehren sollten, wie sie wachsen können (und wohin), sondern dass wir sie auch an unseren eigenen (abgeschlossenen) Prozessen teilhaben lassen sollten. Manchmal sehen Menschen an uns nur das Ergebnis, doch wie lang, beschwerlich und zum Teil schmerzhaft der Weg dorthin war, sehen sie nicht. Es kann so aussehen, als wäre der Weg lockerflockig und spaziergangsgleich gewesen – und wenn sie dann feststellen, dass es bei ihnen selbst alles andere als lockerflockig ist, haben sie das Gefühl, irgendwo versagt zu haben, unqualifiziert oder ein aussichtsloser Fall zu sein. Und deswegen bin ich David so dankbar. Wenn ich mir seinen Werdegang anschaue, weiß ich, dass es Hoffnung für mich gibt…

König David fasziniert mich. Er steckte im Verlauf seines Lebens mehr als einmal bis zum Kinn im Dreck. Doch immer wieder erlebte er die Rettung Gottes. Warum? Weil nur Gott ihm helfen konnte! Und das wusste David ganz genau. In der Wirtschaft gibt es einen Spruch, der sehr wahr ist: Je höher die Position, desto dünner die Luft. Damit ist gemeint, dass Manager in Spitzenpositionen nur noch sehr wenige Menschen um sich herum haben, denen sie vertrauen und mit denen sie persönlichen Umgang pflegen können. Für König David trifft dieser Spruch hundertprozentig zu.

Wohin wendet sich ein König, wenn er an der Spitze steht, alle Menschen zu ihm kommen, um Schutz oder Rat zu erhalten, und er selbst kein wirkliches Gegenüber hat, weil alle anderen Könige in ähnlicher Position dummerweise Feinde sind? Er hat eigentlich nur drei Möglichkeiten: er berät sich mit Menschen (in der Hoffnung, einen guten Stab ohne Eigenmotivationen um sich herum zu haben), er kämpft sich allein durch (und hat gute Antikörper gegen Burn-Out) oder er kennt Gott.

David war in sehr vielen Situationen seines Lebens menschlich betrachtet vollkommen allein. Selbst als er flieht und in der Hölle Adullam landet, kommen nur solche Menschen zu ihm, die von ihm ziehen wollen. Es sind zwar immer mal Menschen bzw. Propheten um ihn herum, doch ein konstantes Gegenüber hatte er nicht. Keine leichte Position – doch wahrscheinlich die Beste, die er sich wünschen konnte, um sich voll auf Gott zu werfen und zu erleben, wie Gott eingreift. Psalm 18 ist eine ganze Abhandlung über vergangene Siege, durchlebte Prozesse, Entwicklungsresultate und erstaunliche Entwicklungen.

Aber vor allem ist Psalm 18 die Geschichte einer großartigen Beziehung. Schau dir an, wie David einsteigt! Es ist eine Liebeserklärung aus tiefstem Herzen. David beschreibt, wer und was und wie Gott für ihn persönlich ist, und er zählt alle möglichen Gegebenheiten und Situationen auf, aus denen Gott ihn gerettet hat. Mich persönlich berühren die Verse 7-8 sehr, in denen David beschreibt, wie Gott auf seine Hilferufe reagiert. Und dann sehen wir eine Reihe von Situationen, in denen David das Eingreifen Gottes erlebte, seine Erfahrungen mit ihm machte, von ihm ausgebildet wurde. Zum Ende hin sieht man sogar das Erstaunen Davids, dass ein Volk, das er gar nicht kannte, ihm plötzlich dient.

In Römer 8,33-39 sehen wir eine recht ähnliche Aufzählung von ausweglosen Situationen. Man könnte fast meinen, David und Paulus hätten sich abgesprochen. Und tatsächlich hat Paulus ja seinerseits ebenfalls so einiges durch, von körperlicher Strafe über Schiffbruch bis hin zur Steinigung. Und auch Paulus kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie David: Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat (Röm 8,37).

Ihr Lieben, der Faktor, der uns alles mögliche überwinden lässt, ist Gottes Liebe zu uns. Wenn wir wissen und glauben, dass Gott uns liebt, wissen und glauben wir, dass er für uns aktiv wird. Seit einigen Tagen denke ich oft über das sogenannte „Überwinderleben“ nach. Der Punkt dabei ist, dass ich ja gar nicht selbst überwinden muss! Paulus sagt, wir überwinden durch ihn, durch Jesus, der uns geliebt hat. Sehr oft vergessen wir diesen zweiten Teil des Verses. Wenn wir durch Jesus überwinden, überwinden wir, indem wir ihn für uns aktiv werden lassen. Dieses Überwinderleben hat nicht viel mit Ellenbogen, Durchkämpfen und Harakiri zu tun. Aber es hat sehr viel mit der Liebe Jesu zu uns zu tun, die aktiv werden kann, wenn wir ihn lassen. Und so kann auch unser Glaube zu dem Sieg werden, der die Welt überwunden hat (1. Joh 5,4).

Jemand hat mal gesagt: Der Weg nach oben führt nach unten. Für unser Leben im Reich Gottes stimmt das absolut. Wenn wir uns demütigen unter die mächtige Hand Gottes, werden wir sehen, wie er eingreift und uns schlussendlich erhöht. Beachte, wie auch David durch den gesamten Psalm 18 wieder und wieder betont, dass sein Erfolgsfaktor Gott persönlich ist – und nicht sein bis an die Zähne bewaffnetes Heer.

Ich merke immer wieder, dass ich nur eine sehr vage Vorstellung von der Liebe Gottes zu mir habe. Und ich glaube, dass einer der Gründe dafür, warum wir oft das Eingreifen Gottes nicht erleben bzw. nicht erkennen, darin besteht, dass wir nicht glauben können, für Gott wichtig genug zu sein. Willst du (wie ich) mehr von Gott? Dann beginne, ihn zu lieben, und dich von ihm lieben zu lassen. Denn unser Glaube wird wirksam durch die Liebe (Gal 5,6).