So höre nun auf ihre Stimme; doch verwarne sie ausdrücklich und verkündige ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird! Und Samuel sagte dem Volk, das einen König von ihm begehrte, alle Worte des Herrn. (1 Sam 8,9)

Samuel ist alt geworden. Seine zwei Söhne Joel und Abija waren eingesetzt als Richter, und es steht die Frage der Nachfolge an. In dieser Situation verlangt das Volk Gottes plötzlich nach einem König. Ein König war nie vorgesehen! Das Volk war immer von eingesetzten Männern und Frauen Gottes geleitet worden, die von Gott selbst auserwählt waren. Und nun verlangt das Volk, dass diese Ordnung geändert wird. Im Verlauf des Kapitels 1. Samuel 8 finden sich zwei Gründe dafür: 1. Das Volk wollte den Heidenvölkern gleich sein (V. 20) – die Juden hatte also bei diesen Völkern etwas gesehen, was ihnen irgendwie attraktiv erschien. 2. Die Söhne Samuels, die als Nachfolger Samuels in Frage kamen, wandelten nicht in den Fußspuren ihres Vaters (V. 5) – anscheinend war deren Erziehung und Ausbildung irgendwie gescheitert.

Gott gewährt dem Volk seinen Wunsch, aber er lässt sie auch den Preis wissen: Der König wird das Recht haben, die Söhne und Töchter des Volkes als Krieger, Bauern, Salbenmischerinnen, Köchinnen und Bäckerinnen in seinen Dienst zu nehmen (auf die tiefere Deutung dieser Arbeitsgebiete werde ich nicht näher eingehen), die besten Äcker, Weinberge und Ölbäume für sich beanspruchen, den Zehnten von der Saat, der Ernte und den Schafen kassieren und die besten Knechte, Mägde, Burschen und Esel nehmen (V. 11-17). Was hier beschrieben wird, ist ein massiver Eingriff in Familien- und Gesellschaftsstrukturen, Ökonomie, Militär und Gottesdienst.

Bis dahin hatten die Söhne und Töchter in ihren Familien gedient. Der Ertrag der Felder und Tiere war für die eigene Versorgung, den Handel und für die vorgeschriebenen Opfer. Der König tritt an die Stelle der Oberhäupter in den Familien und Stämmen. Außerdem nimmt er eine Stelle zwischen dem Volk und Gott ein – er beansprucht die besten Äcker, Weinberge und Ölbäume. Das bedeutet, dass das Beste des Feldes nicht mehr als Opfer gebracht werden konnte, wie es vorgeschrieben war! Der König zieht die Dinge ab, die eigentlich für Gott bestimmt waren. Und Gott kündigt an, dass das Volk wegen des Königs schreien wird (V. 18). Es würde also der Tag kommen, an dem sie bereuen werden, diesen Schritt gegangen zu sein.

Was hat das mit uns zu tun? Ich bin davon überzeugt, dass jeder Abschnitt der Bibel mehr als eine Deutung bietet. Wir sehen hier also nicht nur den Tatsachenbericht längst vergangener Ereignisse – ich denke, wir sehen hier auch einen Schatten auf die kommenden Ereignisse. Und so machen wir einen Sprung in das Buch der Offenbarung.

Die Offenbarung ist ein chronologischer Bericht dessen, was in der Endzeit geschehen wird. Die Endzeit wird in einer exakten Abfolge bestimmter Ereignisse verlaufen, und diese Abfolge können wir heute schon nachlesen. Übrigens ist die Offenbarung längst nicht so kompliziert wie sie oft dargestellt wird. Wenn etwas symbolisch zu verstehen ist, steht das da! Und das Symbol wird sofort erklärt. Ansonsten können wir davon ausgehen, dass es genau so kommen wird, wie geschrieben steht. An dieser Stelle eine dringende Ermutigung dazu, die Offenbarung zu lesen und zu studieren! Es liegt sogar explizit ein Segen darauf, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen. Und es empfiehlt sich, es tatsächlich von vorne bis hinten zu lesen, um die Chronologie der Ereignisse zu verstehen.

In der Endzeit wird die Welt nach einem Erlöser schreien und gleichzeitig werden viele vom Glauben an Jesus Christus abfallen. Es ist die Parallele zum Ruf nach einem König und der Abkehr von den Wegen Gottes, wie wir es gerade bei Samuel gesehen haben. Der Antichrist wird tatsächlich wie der Retter erscheinen. Er wird Frieden und Einheit bringen. Kriege kommen zum Ende. Neben ihm wird der falsche Prophet aufstehen, der die „religiösen“ Gefühle befriedigen wird. Übernatürliche Zeichen und Wunder werden geschehen und den von Gott in jeden Menschen hineingelegten Wunsch nach einer übernatürlichen Dimension sättigen. Alle Religionen, vom Christentum über den Islam bis hin zu den sogenannten „Weltreligionen“ werden sich vereinen (die Hure Babylon – eine Weltreligion) und den Antichristen und den falschen Propheten anbeten.

Doch wie im Buch Samuel wird sich auch bei diesem „König“ das Blatt wenden. Was ausgesehen hat wie der größte Segen (und es WIRD aussehen wie ein Segen) wird zu einem unvorstellbaren Fluch. Die Hure Babylon selbst wird gestürzt werden, dämonische Kräfte werden überhand nehmen und Satan wird sein wahres Gesicht zeigen: Er ist der personifizierte Hass und hasst sogar seine eigenen Diener.

Was mich bewegt, ist die Rolle der Gemeinde und des Volkes Gottes. Im Buch Samuel schrie das Volk nach einem König, weil die geistlichen Leiter versagt hatten. Kann es sein, dass die Menschen nach einem „König“ schreien werden, weil das Volk Gottes darin versagen wird, Gott angemessen zu repräsentieren? Kann es sein, dass sich heute Menschen den Weltreligionen, der Esoterik oder dem Islam zuwenden, weil sie nach Heilung und Rettung suchen, aber von der Gemeinde abgestoßen sind? Und ehrlich gesagt kann ich das sogar verstehen. Ihr Lieben, ich denke es ist an der Zeit darüber nachzudenken, wie wir Gott und sein Reich repräsentieren. Ich bin skeptisch, was „sucherfreundliche“ Veranstaltungen betrifft. Was diese Welt wirklich sucht und braucht, ist eine Begegnung mit der Liebe und der Kraft des lebendigen Gottes – keine schönen und seichten Worte. Und da sind wir gefragt. Wie sieht unser Leben aus? Sind wir noch auf dem Weg? Sind wir noch angeschlossen an die Kraftquelle? Fließen von unserem Leib Ströme lebendigen Wassers?

Ein Wort zum Schluss. Ich behaupte nicht, die Offenbarung völlig und richtig verstanden zu haben. Alles, was ich über die Endzeit geschrieben habe, entspricht meinem eigenen momentanen Erkenntnisstand. Jeder Leser ist frei und dazu aufgerufen, selbst im Wort Gottes nachzuforschen und zu seinem eigenen Schluss zu kommen.