So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. (Mt 28,19-20a)

Als ich mich kürzlich mal wieder intensiver mit dem Thema Taufe beschäftigte, fiel mir plötzlich etwas auf, was ich selbst in keinem „Taufgespräch“ oder ähnlichem gehört habe. Was ist unser übliches Verständnis von der Wassertaufe? Meistens wird darunter ein „Gehorsamsschritt“ verstanden. Jesus hat gesagt, wir sollen uns taufen lassen, also lassen wir uns taufen, basta. Manche sagen, es ist ein „Zeichen“ für die sichtbare und die unsichtbare Welt, das unsere Entscheidung für Jesus bekräftigen soll. Beide Ansätze sind ja durchaus richtig, aber ich glaube, sie treffen den Kern nicht, den Jesus hinter der Taufe sieht.

In Matthäus 28,19-20 finden wir den „großen Missionsbefehl“, mit dem Jesus nach seiner Auferstehung seine Jünger ausgesandt hat. Und garantiert kennen wir alle diese Stelle – aber haben wir auch verstanden, worum es hier eigentlich geht? Das Schlüsselwort in diesen beiden Versen ist das Wort „Jünger“. Die Jünger Jesu (und damit auch wir) sollten in die Welt ziehen, weitere Jünger hervorbringen – und dann? Dann erst kommt die Taufe und danach die Lehre, die Gebote und Anweisungen Jesu zu befolgen.

Wir wissen, dass die Taufe symbolisch unser Sterben mit Christus (beim Untertauchen) und unsere Auferstehung mit Christus (beim Auftauchen) darstellt. Im Grunde ist es eine äußerliche Handlung für eine innerliche Entscheidung, denn in dem Moment, wo wir uns „bekehren“, bekennen wir ja genau das Gleiche: „Jesus, ich gebe dir mein Leben, ich nehme deinen Tod am Kreuz für mich an und empfange die Vergebung meiner Sünden.“ Jesus hat sich am Kreuz mit uns identifiziert und aus Gottes Sicht sind wir mit Jesus am Kreuz identifiziert. Indem er meine Sünden ans Kreuz nahm, wurde ich tatsächlich mit ihm gekreuzigt, sodass Gott meine Sünden nicht mehr an mir sucht, denn die Strafe wurde ja bezahlt. Das ist Teil eins der Botschaft, die in ihrer Tragweite fast nicht zu greifen ist. Doch Teil 2 lautet gemäß Galater 2,20:  Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Nach dem Tod kommt die Auferstehung – allerdings die Auferstehung in Christus. Unser alter Mensch und damit unser altes Leben hat aufgehört zu existieren. Wir sind eine neue Schöpfung.

So weit, so gut. Doch was heißt das in der Konsequenz? Dass wir erlauben, dass Jesus durch uns lebt. Wenn Jesus durch uns lebt, bewegt er sich, indem er uns bewegt. Wir gehen dahin, wo er hingehen will. Wir tun, was er tun will. Wir sagen, was er sagen will. Das ist der Kern wahrer Jüngerschaft! Und diese Art von Jüngerschaft hat Auswirkungen auf unser gesamtes irdisches Leben, denn nun ist es Jesus, der uns sagen darf, wo wir wohnen und arbeiten sollen, in welche Gemeinde wir gehen, wen wir heiraten, was wir mit unserem Geld machen, was wir mit unserer Freizeit machen und so weiter und so fort.

Wir haben in der heutigen Gemeindelandschaft zwei Lager, die nach meiner Beobachtung sehr ungleich verteilt sind. Auf der einen Seite haben wir (sorry für dieses etwas böse Wort) die Mitläufer und auf der anderen Seite die Nachfolger. Mitläufer sind oft solche, die zwar in die Gemeinde gehen, Bibel lesen und sogar den Zehnten geben, aber ihre eigenen Entscheidungen treffen. Sie fragen nicht, was Jesus von ihnen möchte. Sie entscheiden nach rationalen, irdischen Gesichtspunkten, Gelegenheiten und Gefühlen. Und das ist sogar legitim, denn Gott hat uns einen freien Willen gegeben. Er zwingt niemanden in die Nachfolge, denn Nachfolge ist ein Ausdruck von Liebe, Dankbarkeit und Hingabe – und diese Dinge lassen sich nicht erzwingen.

Nachfolger dagegen zahlen oft einen hohen Preis. Die Entscheidungen, die sie aus der Führung des Heiligen Geistes heraus treffen, bringen sie oft in Schwierigkeiten (vom menschlichen Standpunkt betrachtet). Sie müssen manchmal scheinbar gute Gelegenheiten vorbeiziehen lassen, sich von lieben Gewohnheiten, materiellen Dingen, Menschen, Geld etc. trennen, erleben einen innerlichen Schleifprozess, der an die seelische Substanz geht, werden sehr oft von anderen beschossen, nicht verstanden, kritisiert und missachtet, während sie selbst kaum eine Vorstellung haben, wohin die Reise geht und wie ihr Leben in 5 Jahren oder auch nur 5 Monaten aussehen wird. Sie haben die Kontrolle über ihr Leben in die Hände von Jesus gelegt und haben nur eine Chance: Jesus, dem guten Hirten, zu vertrauen, dass er sie ans Ziel bringt und dabei weiß, was er tut.

Und genau darum geht es wiederum Gott! Gott hat ein Ziel, eine Bestimmung für jeden von uns, die bis in die Ewigkeit reicht! Wir können davon ausgehen, dass jeder Schritt in der Nachfolge am Ende seinen Sinn gehabt haben wird. Jeder Schritt wird uns entweder von unseren äußeren Umständen her weiter in Gottes Pläne führen oder von unserem inneren Zustand her mehr ins Ebenbild Jesu verwandeln. So oder so: Gott erreicht sein Ziel mit uns und am Ende steht nicht nur der Lohn dafür, sondern auch eine entsprechende Positionierung in seinem Reich in Ewigkeit.

Die Crux ist: Der Weg dorthin führt ausschließlich über Jüngerschaft und Nachfolge. Niemand, der seine eigenen Pläne verfolgt, wird „versehentlich“ Gottes Willen erkennen und erfüllen, weil im Zentrum der Nachfolge ja die Aufgabe meiner eigenen Agenda liegt. Jesus sagt ja: Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden (Mt 10,39). Dieser Blog heute soll nicht dazu dienen, Verdammnisgefühle zu wecken, sondern dazu, deine eigene Taufe zu überdenken und vielleicht sogar deine Entscheidung zur Jüngerschaft und Nachfolge zu erneuern oder zu bekräftigen. Aber der Weg lohnt sich, denn es ist der Weg im direkten Kontakt mit dem Reich Gottes und allem, was dazu gehört an Schutz, Versorgung, übernatürlichen Erlebnissen und einer Zufriedenheit, die nichts auf der Welt geben kann.